Pärchenabend
Hach wie schön, neulich eingeladen zum gemeinsamen Abend mit Raclette bei einem Sandkastenkumpel des Irren.
Pärchenabend. *läßt sich das auf der Zunge zergehen*
Wenn man zu einem Pärchenabend eingeladen ist, weiß man, daß man alt ist. Das Leben ist vorbei, man hat keine Freunde mehr. Aber wenigstens ist man nicht Single. Außerdem werden die Frauen nach dem Essen in der Küche stehen und spülen, während sich die Männer auf dem Sofa räkeln. Mit Bier.
Späßchen machen über Klischees ist so fein.
Pünktlich um 16 Uhr, wie bestellt, standen wir also vor der Tür und klingelten. Der Sandkastenkumpel öffnete uns, begrüßte uns mit einem liebevollen “Schuhe in den Flur!” und war schon wieder Richtung Wohnzimmer (wie ich dann herausfand) verschwunden. Ja. Dann standen wir da so im Raum, auf dem Sofa der Kumpel und eine andere Person, die ich geschlechtsmässig nicht so genau einordnen konnte, beide waren am Playstation spielen.
Ja. Ahem.
Irrer: “Ja, also das ist Sandkastenkumpel, das ist sein kleiner Bruder, das ist seine Freundin…wenn sonst keiner vorstellt…”*deut*
Gnom: “A-ha.”
Irrer: “Ja, hm, wo können wir uns hinsetzen?”
Kumpel: “Hier aufs Sofa.”
Waaahnsinn. Ein Dreier übrigens, das Sofa. Rechnen wir mal. Zwei Leute sitzen schon drauf, kommt noch ein Irrer dazu, sind wir bei drei. Kein Platz mehr für einen Gnom, weitere Sitzmöglichkeit: der Boden.
Stirnrunzelnd stelle ich dann fest, daß die Sandkastenkumpelfreundin in der Küche Zutaten fürs Raclette schneidet und vorbereitet. Ahja, und er sitzt zockend vor der Glotze. Ganz prickelnd. Also die Küche betreten und der armen Frau beim Vorbereiten geholfen, während die Männer….Hallo, Klischee!
Irrer: “Wollen wir nicht helfen?”
Kumpel: “Nö, wieso denn?”
Ich meine mich zu erinnern, daß er dreimal gefragt hat, ob er, bzw sie (die Männer) nicht helfen könnten oder sollten, sein Kumpel das nur mit oben stehendem Spruch kommentierte und die Sandkastenkumpelfreundin meinte, daß das doch nicht nötig wäre.
Nee is klar.
Nun, wir brachten das Essen dann hinter uns, der kleine Bruder saß übrigens auch die ganze Zeit dabei, allerdings ohne sonderlich viel zu reden. Geredet wurde eigentlich auch nur über das Auto des Gastgebers. Und über seine Autoversicherung.
Als Dessert noch einen Film, dann haben wir uns verabschiedet, zum Leidwesen unserer Gastgeber, die so gerne noch einen Film mit uns gesehen hätten.
Fazit:
1. Wir sind noch nicht alt genug für Pärchenabende.
2. Wenn mir der Gastgeber vorher sagt, daß ich 10 Euro mitbringen soll, damit die Kosten für das Essen geteilt werden, und dann beim auf dem Tisch legen des Geldes und als Antwort auf den erstaunten Blick seiner Freundin (die wohl von nichts wußte) sagt, daß das doch nicht nötig wäre, pisse ich ihm ans Bein.
3. Nächstes mal dem Irren den Mund zu halten, bevor das “Nächstes Mal dann bei uns!” rausflutscht.
PS.: Mir fällt gerade ein, daß der Gastgeber auch keinen anständigen Schwarztee da hatte. So habe ich nach dem Essen einen mit Nelken aromatisierten Tee bekommen. Mit N E L K E N! Sowas trinken nichtmal Engländer.